Angststörungen zählen weltweit zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Doch welche Anzeichen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Erst einmal ist Angst eine Alarmfunktion für den Organismus. Denn sie ist eine natürliche körperliche und psychische Reaktion auf Gefahrenreize mit dem Ziel, der Gefahrenquelle zu entkommen oder sie zu beseitigen. Damit stellt Angst eine sinnvolle Reaktion auf reale Bedrohungen dar. Sie sichert das Überleben durch eine Flucht- oder Kampfreaktion sowie durch Vermeidung und erhöhte Aufmerksamkeit/Wachheit gegenüber der Gefahr.
Symptome einer AngsterkrankungBesteht bei Menschen eine Angsterkrankung, kann es auch ohne eine reale Gefahr zu einer gesteigerten, unkontrollierbaren Angstreaktion im Sinne einer Panikattacke kommen. Es kommt plötzlich und unerwartet zu Attacken mit intensiver Angst und körperlichen Beschwerden wie Herzklopfen, Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Erstickungsgefühlen, Schwindel, Übelkeit, Hitzewallungen oder Kälteschauer, Mundtrockenheit, Taubheits- oder Kribbelgefühle der Hände oder um die Lippen, Furcht vor Kontrollverlust und Todesangst. Die Symptome steigern sich über etwa zehn Minuten, halten dann für maximal zwei Stunden an und verschwinden plötzlich. Zwischen den Attacken besteht Angst vor erneuten Panikanfällen.
Je nach Erkrankung kann die Angstreaktion allgemein oder als Reaktion auf bestimmte Reize vorkommen. Oftmals tritt sie im Verlauf zusammen mit einer Agoraphobie auf, einer Furcht vor bestimmten Situationen oder Orten, denen man sich im Fall einer Panikattacke nicht entziehen kann.
Genetische und soziale Faktoren spielen eine RolleDie Ursache liegt in einem komplexen Wechselspiel aus genetischen und sozialen Faktoren. So tritt eine Panikstörung häufiger bei Menschen auf, in deren naher Verwandtschaft auch andere davon betroffen sind. Ebenso können traumatische Erfahrungen in der Kindheit zu einer Panikstörung beitragen. Oft tritt sie bei Betroffenen in Zeiten mit viel Stress oder belastenden Lebensereignissen auf.
Im Laufe des Lebens sind etwa ein bis sechs Prozent der Menschen von einer Panikstörung betroffen. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Erkrankung beginnt meist im Alter von 30 und 50 Jahren.
Behandlungsmöglichkeiten bei einer PanikstörungDie kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als Behandlungsmöglichkeit hat die am besten belegte Wirksamkeit bei einer Panikstörung. Sie findet in Einzel- oder Gruppensitzungen statt. In den Therapiesitzungen werden die häufig auftretenden Sorgen und typischen körperlichen Erscheinungsformen der Angst besprochen. So entsteht ein Verständnis dafür, wie es zu Panikattacken kommt. Besteht auch eine Agoraphobie, so werden Betroffene nach und nach auch mit angstauslösenden Situationen unter therapeutischer Begleitung konfrontiert (Expositionstherapie).
Ist eine KVT nicht wirksam oder nicht verfügbar, kann auch eine psychodynamische Psychotherapie angeboten werden. Zudem besteht die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie in Form von einer Behandlung mit Antidepressiva. Dabei ist wichtig zu wissen, dass die Wirkung oft erst nach zwei oder mehr Wochen eintritt. Die richtige Dosis muss erst im Verlauf je nach Symptomen und Ansprechen gefunden werden. Um Rückfälle zu verhindern, sollten die Antidepressiva nicht sofort abgesetzt werden, wenn es der betroffenen Person besser geht, sondern noch mindestens sechs bis 12 Monate weiter eingenommen werden.
Ergänzend zur Psychotherapie und Medikamenten ist Ausdauersport empfehlenswert. Entspannungstechniken können helfen, Attacken schneller abzufangen. Ein Symptomtagebuch kann hilfreich sein, den Umgang mit Panikattacken zu erleichtern.
Linderung der SymptomeZwar ist durch keine Behandlungsmethode eine schnelle und einfache „Heilung“ zu erwarten, die verschiedenen Verfahren können aber dafür sorgen, dass Symptome gemildert werden und man mit der Angst besser umgehen kann. Das ist oft schon nach einigen Wochen spürbar. Viele Menschen schaffen es mit Geduld und der Hilfe einer Therapeutin oder eines Therapeuten mit der Zeit, ihre Angststörung zu überwinden
Bei fast neun von zehn Betroffenen treten nach Ende einer Therapie keine Panikattacken mehr auf. Nach sieben Jahren gilt das immer noch für zwei von drei Betroffenen.
Unbehandelt nimmt eine Angsterkrankung meist einen chronischen phasenhaften Verlauf und beeinträchtigt das Alltagsleben oftmals stark.
Nicht vor angstauslösenden Situationen flüchtenDie wichtigste Regel ist, dass man nicht vor den angstauslösenden Situationen flüchtet. Das heißt, dass man zum Beispiel bei einer Agoraphobie nicht vor einem Fahrstuhl „kneift“ und stattdessen die Treppe benutzt, den Einkauf in einem Supermarkt meidet und dafür in einem kleinen Geschäft einkauft oder mit einem Taxi fährt, weil man Angst vor einer Busfahrt hat. Bei einer Angsterkrankung ist es wichtig, dass man sich beim Auftreten einer Panikattacke immer wieder klar macht, dass die Angstsymptome wie zum Beispiel Herzrasen, Schwitzen oder Schwindel nicht zu irgendwelchen schädlichen Folgen, wie Ohnmacht, Herzinfarkt usw. führen können.
Wer eine Panikattacke hat, könnte prinzipiell ganz normal das weiter tun, was er gerade eben getan hat. Oder man könnte einen Dauerlauf machen, Holz hacken, eine Treppe hinauflaufen, mit anderen Menschen sprechen oder sich auf andere Weise ablenken. Sinnvoll ist es, bei der Konfrontation mit schwierigen Situationen schrittweise vorzugehen und sich nicht zu überfordern. Je häufiger und je mehr man sich diesen angstauslösenden Situationen aussetzt, desto eher kann man die Angst abbauen. Sicherlich kostet es große Überwindung, in solche Situationen hineinzugehen, nachdem man sie jahrelang gemieden hat. Wichtig ist es, auch kleine Erfolge wahrzunehmen und sich darüber zu freuen. Seien Sie stolz auf jeden einzelnen Schritt! Auch auf die kleinen.
Infos und Links zu SelbsthilfegruppenDie
Deutsche Angst-Hilfe
vermittelt bundesweit an örtliche Selbsthilfegruppen. Bei der
nächstgelegenen Selbsthilfe-Kontaktstelle
weiß man am besten über die Selbsthilfegruppen-Szene vor Ort Bescheid.
Selbsthilfegruppen sind vielleicht nicht jedermanns Sache, aber viele Menschen haben gute Erfahrungen damit gemacht. Man merkt, dass man nicht der oder die einzige Betroffene mit einer solchen Problematik ist, man findet Verständnis und gute Tipps aus der persönlichen Erfahrung der Anderen. Selbsthilfegruppen können ein ideales Lern- und Übungsfeld sein nach neben professionellen Behandlungen.
geschrieben von Marvena Zeller
Mittwoch, den 15. Januar 2025