von Brigitte Sauter
•
29. Oktober 2024
In Deutschland leiden etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen unter einer Laktoseintoleranz. Doch was steckt hinter der Unverträglichkeit, welche Symptome treten auf – und was können Betroffene tun? Bei Menschen mit einer Laktoseintoleranz führt der Verzehr laktosehaltiger Nahrungsmittel zu Magen-Darm-Beschwerden. Die Ursache: Die Verdauung von Laktose wird durch das Enzym Laktase in unserem Körper gesteuert. Dieses Enzym kann angeboren in zu geringer Menge vorhanden sein, es kann auch in Folge einer chronischen Darmerkrankung (zum Beispiel Zöliakie, M. Crohn und Colitis ulcerosa) oder Darminfektion (zum Beispiel Giardiasis) oder aber nach Operationen am Darm zu einem Mangel kommen. Der nachgewiesene Mangel tritt hierzulande bei circa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung auf, bei US-Amerikanern sind es nur etwa 2 bis 15 Prozent. Symptome einer Laktoseintoleranz Besteht ein Mangel an Laktase, kann es bei Verzehr von Milchzucker zu Blähungen und Durchfällen kommen. Das liegt daran, dass der Milchzucker zu einem beschleunigten Transport des Darminhaltes führt. Im Dickdarm wird dann der Milchzucker von gasproduzierenden Darmbakterien verstoffwechselt. Weitere Symptome können diffuse Bauchschmerzen sein. Die Beschwerden treten in aller Regel 1-2 Stunden nach der milchzuckerhaltigen Mahlzeit auf. Bei der Diagnostik kann ein H2-Atemtest helfen. Ernährungsempfehlungen Nach der Diagnosestellung einer Laktoseintoleranz sollten Betroffene 2-3 Wochen alle Milchprodukte meiden, danach kann der Verzehr soweit langsam gesteigert werden, wie es vertragen wird. In aller Regel kann durch eine Verminderung des Laktoseanteils Symptomfreiheit erreicht werden, ca. 2-3 Gramm Laktose pro Tag bereiten den meisten Betroffenen keine Beschwerden. Als streng laktosearme oder laktosefreie Kost bezeichnet man eine Kost mit weniger als 1 Gramm Laktose/Tag, eine mäßig laktosearme Kost beinhaltet ca. 8-10 Gramm Laktose/Tag. Gesäuerte, nicht pasteurisierte Milchprodukte (z.B. Joghurt) werden häufig vertragen (durch die Laktaseaktivität der Mikroorganismen). Hart-, Schnitt-, Weich- und Sauermilchkäse sind fast laktosefrei und können häufig vertragen werden. Bei Genuss von laktosehaltigen Speisen sollten diese auf 4-5 kleinere Portionen aufgeteilt werden. Wird Milch getrunken, dann nur in Verbindung mit festen Speisen und max. 250 ml/Portion. In Problemfällen kann laktosefreie Milch (z.B. Laktofree oder Minus L-Produkte) eingesetzt werden. Durch die Zugabe von laktasehaltigen Enzympräparaten (z.B. Kerulac-Tropfen oder Laktase-Plus) zur Milch kann der Verzehr verträglicher werden, Laktasekapseln zur Enzymsubstitution zu den Mahlzeiten können wirksam sein. Hinweise für den Einkauf Laktose versteckt sich oft hinter anderen Bezeichnungen: Milchzucker, (Süß-/Sauer-) Molke, (Süß-/Sauer-) Molkepulver, Milch, (Voll-/Mager-)Milchpulver, entrahmte Milch, Rahm, (süße/saure) Sahne, Sahnepulver, Butter, Laktosemonohydrat, Milchelemente, Milchserum, Molkereistoffe, Milchserumpulver, Quark, Natriumkasein, Kasein, Kaseinate, Milcheiweiß, aufgespaltene Milcheiweiße, Milchfette, Laktalbumin, Laktglobulin. Bei unverpackten Lebensmitteln ist es sinnvoll, das Verkaufspersonal nach der Inhaltsstoffliste zu fragen. Bei Medikamenten unbedingt den/die Apotheker/in fragen! Laktosefrei Frisches Obst, frisches Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Getreide, Reis, Nudeln, Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Öl, Zucker, Honig, Konfitüre, Wasser, Säfte, Tee, Kaffee, Soja, Sojamilch, Salz, reine Gewürze, Nüsse, Erfrischungsgetränke, alkoholische Getränke Laktosehaltig Milch, Joghurt, Buttermilch, Milchprodukte, Käse, Quark, Sahne, -kuchen, Butter, Molke, Kefir, Dickmilch, Kondensmilch, Kaffeesahne, Milchpulver, Schokolade, Pralinen, Nuss-Nugat-Creme, Liköre auf Sahnebasis Laktosegehalt möglich Verarbeitete Lebensmittel, Fertiggerichte, Restaurantessen, Brot, Brötchen, Margarine, Gebäck, Gewürzmischungen, Fleischwaren, Wurst, Würstchen, Instantsuppen, -saucen, Müslis, Pesto, Medikamente und Zahnpasta Es ist wichtig, auf eine ausreichende Calciumzufuhr zu achten – entweder durch den Verzehr von Käse oder vermehrt calciumhaltige Mineralwässer oder durch Calciumprodukte. geschrieben von Brigitte Sauter Dienstag, den 29. Oktober 2024