Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsform in der Bundesrepublik, jährlich erkranken über 65.000 Menschen hieran, ca. 26.000 Menschen sterben pro Jahr. Für Neugeborene gilt heute, dass jedes 17. im Laufe seines Lebens erkranken wird.
Als Darmkrebs gelten bösartige Tumoren aus dem Dickdarm und aus dem Enddarm. Bereits seit 2002 gibt es die sogenannte Vorsorgedarmspiegelung, bei den Männern ist das empfohlene Erstuntersuchungsalter auf 50 Jahre gesenkt worden, Frauen werden erst ab dem 55. Lebensjahr eingeladen. Da die Zahl der sich untersuchen Lassenden leider immer noch deutlich nach oben steigerbar wäre, gab es im vorletzten Jahr die Umstrukturierung, dass die Krankenkassen ihre Mitglieder altersabhängig zusätzlich anschreiben. Damit werden auch all die erreicht, die sich nicht regelmäßig in der Hausarztpraxis vorstellen und damit auch nicht beraten werden können. Die Wiederholung der Darmspiegelung findet bei nicht vorliegenden Risikofaktoren und bei unauffälliger Erstuntersuchung nach zehn Jahren wieder statt.
Mit dem Alter steigt das Risiko
Je älter wir werden, desto mehr steigt das Risiko, dass wir Polypen entwickeln, die über die Jahre auch bösartig werden können. Generell treten in der westlichen Welt deutlich häufiger Darmwucherungen auf. Dies liegt an unserem Lebensstil: Das Risiko für Polypen steigt bei fett- und zuckerreicher Kost, bei Alkoholkonsum und Nikotin, aber auch bei mangelnder Bewegung sowie Übergewicht. Des Weiteren ist unbedingt auch an genetische Faktoren zu denken: Wenn nahe Familienmitglieder an Darmkrebs erkrankt sind, gilt es entsprechend früher (zehn Jahre) die erste Untersuchung durchführen zu lassen.
Deswegen fragen wir in unserem Erstgespräch nach familiären Risikofaktoren. Dank der Vorsorgemaßnahmen hat sich in den letzten Jahren das Vorkommen von Darmkrebs deutlich senken lassen, eben weil bereits Vorstufen entdeckt und abgetragen werden und damit gar nicht erst entarten können. Es ist aber noch viel Spielraum da, um diese Ergebnisse weiter zu verbessern.
Auch junge Menschen erkranken zunehmend
Es gibt Zahlen aus der Europäischen Union, dass zunehmend auch junge Menschen mit einem Alter deutlich kleiner als die berühmten 50 bis 55 Jahre erkranken. Nach Studienlage hat sich die Zahl der betroffenen zwischen 20 bis 29 Jahren seit 1990 verdreifacht. Diese jungen Menschen fallen erst mal aus dem Raster. Mit dem Satz: „Häufiges ist häufig“ wird nur extrem selten der erste Gedanke bei einem jungen Menschen sein, dass er womöglich eine bösartigen Darmtumor haben könnte, wenn er über Bauchbeschwerden oder Verdauungsbeschwerden klagt.
Das kann zu einer langen Vorlaufzeit führen, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Erhöht ist das Risiko bei all denen, die sich einen westlichen Lebensstil angewöhnt haben, also vermehrt Fleisch und Alkohol konsumieren, die wenig Bewegung im Alltag haben und übergewichtig sind. Auch hier gilt es die familiären Risiken abzufragen und entsprechend früher die Darmkrebsvorsorgespiegelung anzupeilen. Auch wer bereits von dem Vorliegen von Polypen weiß oder wer eine chronisch entzündliche Darmerkrankung hat, trägt ein höheres Risiko. Diese Menschen werden entsprechend zu beraten sein und einer Untersuchung zuzuführen sein.
Daraus folgt: Generell ist eine Spiegelung NICHT für alle Menschen ab 20 Jahren zu empfehlen. Das heißt nicht, dass bei jedem Auftreten von Bauchschmerzen die Untersuchung ansteht. Aber wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, dann werden wir Sie als Ihre Hausärzte beraten und Ihnen den Rat zur weiterführenden Diagnostik inklusive Überweisung mitgeben.
Wenn Sie Fragen haben, sprechen Sie uns an.